You are currently viewing Wucher-Brüder als Alleinstellungsmerkmal der Islanders

Wucher-Brüder als Alleinstellungsmerkmal der Islanders

Lindau (EVL) – Manchmal verliert die gegnerische Mannschaft schon bei der namentlichen Vorstellung der Kontrahenten die Übersicht. „Wie oft muss ich mir diesen Namen denn noch anhören“, wurde Marvin Wucher schon ein ums andere Mal bei Auswärtsspielen gefragt. Marvin ist 21 Jahre alt, seine Brüder, die Zwillinge Corvin und Robin, sind drei Jahre jünger. Und alle drei spielen gemeinsam im Oberliga-Team der EV Lindau Islanders und sorgen allein schon angesichts der Häufung des Nachnamens für Verwirrung beim Gegner.

Dabei weisen Brüderpaare im deutschen Eishockey ein lange Tradition auf. Drei Brüder zusammen in einer Mannschaft sind jedoch ein Novum, für die Islanders obendrein ein Alleinstellungsmerkmal. Es gab zwar die Goc-Brüder Sascha, Marcel und Nikolai, die vor gar nicht mal so langer Zeit in der DEL gemeinsam auf dem Eis standen, aber nie zusammen in der gleichen Mannschaft spielten. Die bekanntesten Brüder-Paare im deutschen Eishockey hießen einst Kurt und Alois Schloder (EV Landshut) sowie Franz und Lorenz Funk (Berliner SC), später dann Gerd und Bernd Trunschka in den 90ger Jahren bei der Düsseldorfer EG oder zuletzt Daniel und Yannick Seidenberg.

Angesprochen auf das sprichwörtliche „blinde“ Verständnis unter Brüdern sagt Marvin Wucher: „Wir haben schon immer draußen auf dem Hof gemeinsam gespielt. Da weiß man schon, was der andere macht und wohin er läuft“. Und Robin fügt hinzu: „Mit meinem Bruder habe ich ja schon immer zusammengespielt, da gibt es schon so etwas wie ein blindes Vertrauen.“ Zwillinge sind im deutschen Eishockey übrigens auch kein Novum: Detlef und Dieter Langemann spielten einst in Köln zusammen, in der DEL trugen Christian und Thorsten Gries gemeinsam das Trikot der DEG Metro Stars.

Nützlich ist ein Bruder im Team allemal. Besonders, wenn man wie Corvin und Robin im Vorjahr mit gerade einmal 17 Jahren ab und zu ins Oberliga-Team hineinschnuppern durfte.  Da sei der Rat des großen Bruders schon hilfreich gewesen, sagen die Zwillinge. „Wenn wir etwas nicht wussten, konnten wir Marvin fragen.“ Sowohl Corvin als auch Robin schafften es im Vorjahr sogar aufs Scoreboard. Robin machte in Landsberg sein erstes Tor im Profibereich, Corvin legte nur kurze Zeit später gegen Füssen nach und schaffte es damit sogar zum Schützen des Tor des Monats in der Oberliga.

Seit dieser Saison sind die beiden nun fester Bestandteilt des Oberliga-Teams der Islanders. „Früher in der Jugend haben wir gegen zwei Jahre Ältere gespielt, jetzt stehen einem 30 Jahre alte Männer gegenüber. Das ist schon härter und schwerer“, erklärt Corvin Wucher. Und Marvin Wucher, seit 2017 im EVL-Kader, ergänzt: „Die ersten drei, wenn nicht sogar die ersten vier Jahre im Profibereich sind schon sehr schwer. Als junger Spieler muss man härter arbeiten als alle anderen im Team. Und immer versuchen, besser als die anderen zu sein.“


Dieses Credo machte schon Vater Bernd zum Rekordspieler der Islanders. Die drei Söhne setzen nun die Tradition fort, deren Grundstein der im Sommer verstorbene Großvater Franz als einer der Vereinsgründer legte. „Opa hat den Verein gegründet, Papa hat auch gespielt. Und bei uns war es dann keine Frage, dass wir auch Eishockey spielen“, sagt Marvin Wucher. Ein „Stammbaum“, der sowohl Würde als auch Bürde sein kann. Der Name sei eine Verpflichtung, räumt Marvin Wucher und vermeidet den Begriff Druck ganz bewusst. „Wir sind im Team zwar alle gleich, aber wir werden manchmal auch anders angeschaut.“ Man versuche, immer alles richtigzumachen. „Das ist aber schwierig, wenn man noch so jung ist.“

Dabei wird im Hause Wucher nicht ausschließlich über Eishockey geredet. Schule, Ausbildung, Beruf seien ebenfalls Gesprächsthema zuhause, beteuern die drei Brüdern. „Und dann gibt es ja auch noch Fußball“, sagt Marvin Wucher mit trockenem Humor.