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Frauen-Bundestrainer Tom Schädler: „Wir müssen bei den Spielen körperlich und mental voll da sein“

Am Donnerstag, 11. November 2021, startet die deutsche Eishockey-Frauen-Nationalmannschaft in die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Peking. Gegnerinnen der deutschen Mannschaft sind Österreich, Dänemark und Italien. Im Interview spricht Bundestrainer Tom Schädler über die Vorbereitung, den Zusammenhalt im Team – und er verrät, warum er seine Mannschaft auch mal in Ruhe lässt.

Tom, ihr seid seit vergangenem Donnerstag in Füssen. Wie ist die Lage bei euch?

Tom Schädler: Die Lage bei den Spielerinnen und bei den Betreuern ist gut. Wir haben uns vergangene Woche in Füssen getroffen, unser Teamquartier bezogen und sind mit drei guten Trainingseinheiten in die Vorbereitung startet. Danach hatten wir zwei Spiele gegen Japan. Das war ein richtig guter Test für die Mannschaft. Seit gestern sind auch die anderen drei Mannschaften (Dänemark, Österreich, Italien) vor Ort – und die Spannung vor dem ersten Spiel steigt. 

Wie läuft eure Vorbereitung? Woran habt ihr in den vergangenen Tagen gearbeitet?

Tom Schädler: Immer, wenn wir als Nationalmannschaft zusammenkommen, gehen wir bestimmte Schwerpunkte durch: Spielsystem, Abwehr, das Spiel im Angriffsdrittel, den Aufbau der Reihen. Dazu kommen Über- und Unterzahlspiel. Unser Torwarttrainer Jan Kamenik arbeitet zusätzlich vor dem Mannschaftstraining mit den Torhüterinnen. Das ist unsere Routine auf dem Eis, wenn wir uns auf Turniere vorbereiten. Dazu kommen noch Theorie-Input und Videoanalysen.

Die Anzahl der Trainingseinheiten ist unterschiedlich. Vor der WM in Calgary hatten wir zum Beispiel sehr viel Zeit. Aber auch jetzt vor der Olympia-Qualifikation haben wir ausreichend viel Zeit für eine ordentliche Vorbereitung. Wir haben in Füssen auch Unterstützung von der Sportpsychologin Annika Hof zum Berge, die unser Team begleitet. 

Der Großteil der Spielerinnen war auch schon bei der diesjährigen WM in Calgary als Mannschaft.

Tom Schädler: Ja, genau. Wir hatten aber auch im Sommer Lehrgänge, bei denen andere Spielerinnen dabei waren. Manche von ihnen, zum Beispiel Franzi Feldmeier, konnten aus beruflichen Gründen nicht mit nach Kanada. Sie sind aber ein fester Teil unserer Mannschaft – und jetzt für die Qualifikation auch dabei.

Was sind die Stärken der deutschen Frauen?

Tom Schädler: Das ist ganz klar unser enormer Zusammenhalt in der Mannschaft. Das haben wir auch in Calgary wieder erlebt. Unser Torhüterinnenspiel ist sehr gut, aber auch Sturm und Verteidigung sind top. Wir haben sehr routinierte Spielerinnen, die Führungsrollen innerhalb der Mannschaft ausfüllen. Dazu zählen zum Beispiel unsere Kapitänin Julia Zorn oder Verteidigerin Tanja Eisenschmid. Aber im Endeffekt zählt das Zusammenspiel der gesamten Mannschaft – und das machen die Mädels richtig gut.

Der Corona-Fall bei Torhüterin Jennifer Harß war eine Hiobsbotschaft für das Team. Wie haben es die Frauen aufgenommen?

Tom Schädler: Es gab schon einen kleinen Aufschrei in der Mannschaft. Jenny ist enttäuscht, die Mannschaft fühlt mit ihr. Aber wir müssen nach vorne schauen, weiterarbeiten und gemeinsam die kommenden Herausforderungen anpacken. Das Gute ist: Wir haben sehr gute andere Torhüterinnen.

Wie sieht euer Tagesablauf gerade aus? Was macht die Mannschaft, wenn ihr nicht trainiert?

Tom Schädler: Wir sind in einem Hotel in Bad Faulenbach. In der Bubble haben wir nicht viele Möglichkeiten außer den Weg vom Hotel ins Stadion und zurück. Manche Spielerinnen radeln ins Stadion, andere gehen zu Fuß. Mehr ist aber nicht mit Draußen sein. Die Mädels haben zum Beispiel einen Videoabend organisiert, natürlich mit Abstand und allen Hygienevorkehrungen. Mir ist es aber wichtig, dass wir sie auch mal in Ruhe lassen und sie abschalten können.

Gleichzeitig mit euch steht die deutsche Eishockey-Herren-Nationalmannschaft beim Deutschland Cup 2021 auf dem Eis. Das DEB-Motto lautet „Gemeinsam nach Peking“. Inwieweit spürt ihr das in eurem Mannschaftsalltag?

Tom Schädler: Wir merken viel vom Motto „Gemeinsam nach Peking“ und das motiviert die Mannschaften auch. Der Austausch unter uns Betreuern ist groß. Aber auch bei den Spielerinnen und Spieler gibt es viele gemeinsam Ereignisse, zum Beispiel Fotoshootings mit den Trikots vor ein paar Wochen. Außerdem tauschen sich die Spielerinnen und Spieler auch über Social Media aus. Physisch zusammen kommen wir ansonsten gerade nicht. Das verhindern die eng getakteten Spielpläne der DEL und der DFEL, Corona macht es auch nicht leichter. Aber wir drücken den Herren die Daumen und die Herren drücken uns die Daumen. Für die WM in Calgary haben wir auch Videobotschaften von den Jungs bekommen.

Du hast den Austausch unter den Betreuern schon angesprochen. Wie läuft der Austausch unter den Bundestrainern?

Tom Schädler: Wir haben einen sehr guten und engen Austausch unter uns Bundestrainern. Nicht nur zwischen Toni Söderholm und mir, sondern auch mit den Nachwuchs-Bundestrainern Tobias Abstreiter, Alex Dück, Franziska Busch und Robert Schroepfer. Wenn ich Toni im Büro treffe, stellen wir uns gegenseitig Fragen und beraten uns. Wir haben auch einen regelmäßigen Austausch über unsere Bundestrainer-Konferenz und andere Meetings. Die Bundestrainer-Konferenz organisiert DEB-Sportdirektor Christian Künast. Das funktioniert wirklich gut. 

Lass uns noch auf den geplanten Kader für die Olympia-Quali schauen. Nach welchen Kriterien hast du die Spielerinnen ausgewählt?

Tom Schädler: Wir haben versucht, die beste Mannschaft zusammenzustellen. Mir war es wichtig, nicht einfach die 20 besten Einzelspielerinnen zu nominieren. Ich wollte Spielerinnen finden, die im Team funktionieren und harmonieren. Wir haben geschaut, welche Spielerinnen zur Verfügung stehen und wie diese zur Mannschaft passen. Dazu kommen Dinge wie: Wer kann sehr gut Über- und Unterzahl spielen? Wer bringt andere technische und taktische Fähigkeiten mit? Aber das Wichtigste ist das „Match“ mit der Mannschaft.

Dänemark, Italien und Österreich kämpfen mit der deutschen Eishockey-Frauen-Nationalmannshaft um die Olympia-Qualifikation. Wie schätzt du eure Gegnerinnen ein?

Tom Schädler: Alle drei Gegnerinnen sind Herausforderungen. Wir zollen ihnen Respekt, aber auch nicht mehr. Wir wissen, dass die Spiele nicht einfach werden und wir unser Bestes geben müssen. Italien hat zum Beispiel eine große Euphorie, weil sie die Vorquali gewonnen haben. Auch die Österreicherinnen haben mit breiter Brust verkündet, dass sie nach Peking wollen. Wir müssen bei den Spielen körperlich und mental voll da sein. Aber wir müssen uns auch auf die einzelnen Spiele konzentrieren. Wichtig ist, dass wir von Spiel zu Spiel arbeiten und uns kontinuierlich verbessern. Erst einmal legen wir den Fokus auf das Österreich-Spiel, dann schauen wir weiter.