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Ein Hallenser übernimmt die Saale Bulls – Marius Riedel wird neuer Head Coach

Vergleicht man Videoaufzeichnungen aus den Anfangsjahren der Saale Bulls mit Bewegtbildern von heute, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Nicht nur, dass die technischen Voraussetzungen völlig unterschiedlich waren – wo seinerzeit lediglich eine feststehende Kamera zum Einsatz kam, bietet BullsTV/SpradeTV den Anhängern mittlerweile die Möglichkeit, Spielszenen und Tore aus den Blickwinkeln von zwölf Kameras zu betrachten – auch der Eishockeysport an sich unterlag in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten in puncto Geschwindigkeit, Dynamik, Athletik und Professionalisierung einer rasanten Entwicklung. Eine Entwicklung, die nicht nur die Spieler betrifft welche immer jünger werden und eine immer professionellere Mentalität an den Tag legen – auch die Anforderungen an einen Head Coach heutzutage haben sich grundlegend verändert. Vorbei die Zeiten, als man als Übungsleiter lediglich Hütchen aufstellte und ausschließlich mit Trillerpfeife agierte. Kenntnisse in Psychologie, Didaktik, Monitoring, Belastungssteuerung und Videoanalysen gehören mittlerweile genauso zum Trainer-Portfolio wie abwechslungsreiche Übungen auf dem Eis. Dabei spielt das Alter weniger eine Rolle, vielmehr sollte ein Konzept sowie der Einbau und die Förderung von jungen Nachwuchsspielern im Vordergrund stehen.

Eine Vielzahl von Gedankengängen, die bei der Entscheidungsfindung zur Besetzung des Trainerpostens einbezogen wurden – und am Ende zu einer Unterschrift führten: Mit der Verpflichtung von Marius Riedel ist es gelungen, den Wunschkandidaten für die Position als Head Coach der Saale Bulls für die Saison 2022/23 unter Vertrag zu nehmen. Mit dem 33-Jährigen, seit 2019 Inhaber der Eishockeytrainer A-Lizenz, steht ab sofort ein absoluter Fachmann hinter der Bande der Saale Bulls, welcher den Verantwortlichen seit knapp zwei Jahrzehnten bekannt ist und der seinerseits den Standort und die Gegebenheiten ebenfalls bestens kennt. „Er ist eine absolute Wunschpersonalie von mir“, so Kai Schmitz, der Sportliche Leiter zur Neubesetzung des Trainerpostens. „Du bekommst Respekt nicht durch eine Vita oder das Alter, du bekommst den Respekt durch Wissen und Arbeit. Ich werde ihm den Rücken freihalten, bin aber so von ihm und seinem Können überzeugt – sonst hätte ich es nicht gemacht.“

Der gebürtige Hallenser Riedel erlernte das Eishockey-ABC in seiner Heimatstadt, lief in der Saison 2009/10 für die Saale Bulls 20-mal in der Regionalliga auf und agierte zwischen 2011 und 2015 für die hallesche 1b-Vertretung als Stürmer, stellenweise auch in Doppelfunktion als Spielertrainer. Bis zuletzt war Riedel in einer extra geschaffenen Position als Vereinsbetreuer in der DEL2 angestellt, beschäftigte sich mit der Standort- und Talententwicklung an den Standorten der Zweitligisten. Vor seinem Wechsel in den Ligabereich sammelte er während seines Sport-Lehramt-Studiums an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg reichlich Erfahrungen im Nachwuchsbereich, war hauptamtlicher Trainer beim MERC Mannheim, arbeitete als Athletik- und Koordinationscoach und fungierte 2020 als Assistenztrainer bei der U18-Frauen-Nationalmannschaft. „Die Saale Bulls und insbesondere Kai Schmitz haben sich seit der Vertragsauflösung durch Ryan Forster sehr um mich bemüht. Ich bin ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und die Wertschätzung sehr dankbar“, so Riedel. „Der Kontakt nach Halle ist während meiner Zeit in Mannheim und bei der DEL2 nie abgebrochen. Ich freue mich unglaublich auf die kommenden Aufgaben und möchte zeigen, dass auch junge deutsche Trainer Qualitäten und Kompetenzen haben!“

Erste Erfahrungen im Seniorenbereich erwarb sich Riedel in der Spielzeit 2020/21. Durch das seinerzeit pandemiebedingte Ruhen im Nachwuchsbereich bot sich ihm die Chance, die Oberliga-Mannschaft der EG Diez-Limburg kurz vor Saisonende für vier Wochen betreuen zu können. In diesem kurzen Zeitraum gelang es ihm, den Punkteschnitt der Rockets zu erhöhen, in den 13 Spielen unter seiner Führung sammelte die EGDL 0,31 Zähler pro Partie mehr als in den Monaten zuvor. Eine Verbesserung, die auch die Bulls zu spüren bekamen: Nach zwei zuvor deutlichen 5:1- und 7:1-Erfolgen gegen die EGDL setzte man sich in den beiden folgenden Duellen und nach der Übernahme des Trainerpostens durch Riedel jeweils erst in Overtime mit 6:5 durch. „Da konnte man sehen, wie schnell Marius mit seiner Taktik und seinem System die Rockets ein Stück vorangebracht hat“, so Schmitz. „Ich bin der EGDL immer noch sehr dankbar für die Möglichkeit, dass ich Erfahrung im Profibereich sammeln durfte“, so Riedel seinerzeit in einem Interview. „Sie war zunächst begrenzt bis zum Saisonende, sodass ich nun wieder meiner eigentlichen Tätigkeit in der DEL2 nachgehen kann.“ Aktuell bereitet er das Perspektiv-Camp 2022 für die Jahrgänge 2005 bis 2007 Ende Juli in Heilbronn vor, ehe er dann in voller Verantwortung die Saale Bulls übernehmen wird. „Er wird den Verein weiter voranbringen, nicht nur die erste Mannschaft. Er will mit dem Nachwuchs enger zusammenarbeiten, mit den Trainern, mit ihnen auch aufs Eis gehen“ so Schmitz. „Die Art und Weise, wie er Eishockey spielen will – modern, offensiv – das wird die Zuschauer beeindrucken, das wird unterhaltsam. Es gibt nicht mehr dieses Abwarten. Alle Mann sind in Bewegung, alle Mann rennen.“

Und auch Riedel, der nach Hans Rothkirch (2006/07) erst der zweite in Deutschland geborene Head Coach sein wird, mit dem die Bulls in eine Spielzeit starten werden, gewährt vorab Einblicke in seine Ziele und Ansprüche. „Mein Ziel ist es natürlich, jeden einzelnen Spieler und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Wir werden jede Einheit, egal ob auf oder neben dem Eis, Vollgas geben, um den Fans am Wochenende attraktives und modernes Eishockey bieten zu können. Außerdem möchte ich unbedingt den Eishockey Standort Halle (Saale) auf die nächste Stufe heben. Wir müssen mit dem ESV Halle eine gemeinsame Sprache sprechen und somit die gesamte Organisation für die DEL2 vorbereiten. Während meiner Reisen durch Eishockey-Deutschland habe ich immer wieder bemerkt, welch hervorragenden Ruf die Saale Bulls mittlerweile haben. Nun werden wir alles daransetzen, noch professioneller zu werden, um das nächste Level zu erreichen.“

Die Verantwortlichen heißen Marius Riedel recht herzlich in Halle willkommen, freuen sich auf die gemeinsame Zusammenarbeit und wünschen ihm eine erfolgreiche Zeit hinter der Bande der Saale Bulls. (Jy)

Foto: Nicole Baas

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